Naher Osten: Arabische Staaten im Sog des Ost-West-Konflikts


Naher Osten: Arabische Staaten im Sog des Ost-West-Konflikts
Naher Osten: Arabische Staaten im Sog des Ost-West-Konflikts
 
Die Araber erlebten den Ausgang des Zweiten Weltkriegs in unterschiedlichen Situationen. Einige ihrer LänderSaudi-Arabien und Jemen — hatten dem Westen gegenüber staatliche Souveränität behauptet. Andere — Ägypten, Irak, Libanon, Syrien und Transjordanien — befanden sich auf dem Weg zur vollen Unabhängigkeit. Auf den Konferenzen von Alexandria, 1944, und von Kairo, 1945, gründeten diese sieben Staaten die Arabische Liga, der auch ein Vertreter der Palästinenser angehörte. Die übrigen arabischen Länder waren zu diesem Zeitpunkt noch kolonial abhängig. Im Zweiten Weltkrieg hatten britische, australische und indische Truppen, verstärkt durch ein Kontingent der von General Charles de Gaulle geleiteten Bewegung »Freies Frankreich«, am 14. Juli 1941 die Truppen des französischen Vichy-Regimes im Mandatsgebiet Syrien/Libanon zur Kapitulation gezwungen. Im Namen General de Gaulles versprach Georges Catroux, der französische Generaldelegierte, nunmehr Syrern und Libanesen Freiheit und Unabhängigkeit. Doch löste Frankreich nach seiner Befreiung 1944 dieses Versprechen nur zögernd ein.
 
 Die ägyptische Revolution 1952
 
Zu Beginn der Fünfzigerjahre war Ägypten mit 20 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste arabische Land. Seit 1922 Monarchie, war es formal souverän; doch die Briten hatten noch entscheidende Positionen inne: Sie waren vor allem in der Suezkanalzone militärisch präsent. Darüber hinaus hatten sie sich mit den Kreisen am Königshof, den Großgrundbesitzern und den bürgerlichen Schichten zu beiderseitigem Nutzen arrangiert. 12000 Großgrundbesitzer (0,5 Prozent aller Landeigentümer) verfügten über 2 Millionen Feddan — das waren 32,2 Prozent des bebaubaren Bodens —, während sich 2,6 Millionen Kleineigentümer (94,3 Prozent aller Landeigentümer) mit 2,1 Millionen Feddan oder 35,5 Prozent des bebaubaren Landes begnügen mussten (1Feddan = 0,42 ha). Die Mehrheit der Fellachen lebte unter dem Existenzminimum. Daneben gab es eine Massenarbeitslosigkeit, die durch die Landflucht von Fellachen, die Arbeit suchten, noch anwuchs. Streiks und Demonstrationen mit antikolonialen und antimonarchischen Losungen bestimmten das innenpolitische Klima. In der Suezkanalzone kam es zu Guerillaaktionen. Am 25. Januar 1952 richteten britische Panzer und Artillerie in Ismailia ein Blutbad unter der ägyptischen Polizei an. Am folgenden Tag zogen Arbeiter und Studenten durch die Straßen Kairos und forderten Waffen, um in der Kanalzone zu kämpfen. Aufgebrachte Menschen setzten Geschäfte, Banken und Vergnügungsstätten in Brand. In diesen Tagen fanden 50 Menschen den Tod. Die politische Opposition war indes zersplittert. Der Wafd, die größte Partei, hatte Bedeutsames im antikolonialen Kampf geleistet, seine Führung hatte sich jedoch mit dem herrschenden System ausgesöhnt. Aus Protest dagegen hatte sich 1947 die »Wafd-Avantgarde« formiert. Die Sozialistische Partei setzte sich für eine Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft und eine Bodenreform ein, die Muslimbruderschaft erstrebte ein unabhängiges Ägypten, in dem Prinzipien eines in seiner ursprünglichen Reinheit wiederhergestellten Islam verwirklicht werden sollten. Kommunistische Organisationen, zerstritten, wollten nationale und soziale Befreiung verknüpfen.
 
Beginnend in den Dreißigerjahren, hatten sich Offiziere, die aus den Zwischenschichten stammten, zur »Gemeinschaft der Freien Offiziere« zusammengeschlossen. In der Nacht vom 22. zum 23. Juli 1952 ergriffen sie — ohne Blutvergießen — die Macht. Gegenüber den USA und Großbritannien auf die innenpolitischen Motive ihrer Aktion hinweisend, bauten sie die errungenen Machtpositionen schrittweise aus und leiteten eine Revolution mit antimonarchischem, antifeudalem und antikolonialem Akzent ein. Zunächst stand General Ali Mohammed Nagib offiziell an ihrer Spitze, bis im April 1954 nach internen Auseinandersetzungen Gamal Abd el-Nasser, Vorsitzender des Revolutionsrates, Oberkommandierender der Armee und Ministerpräsident wurde. Unter Duldung der USA und Großbritanniens setzten die revolutionären Offiziere König Faruk ab. Am 26. Juli 1952 verließ dieser Ägypten, das am 18. Juni 1953 zur Republik erklärt wurde. Gegen den Widerstand der Großgrundbesitzer erließ das neue Regime ein Gesetz, das die Höchstgrenze für Bodenbesitz auf 200 Feddan pro Person festlegte. Titel wie Pascha und Bey schaffte es ab; Parteien wurden verboten. Nach zähen Verhandlungen verpflichtete sich Großbritannien am 19. Oktober 1954, seine Truppen im Bereich des Suezkanals (80000 Mann) zurückzuziehen. Am 18. Juni 1956 verließ das letzte britische Militärkontingent Ägypten. Fünf Tage darauf wurde Nasser Präsident der Republik.
 
In seiner Außenpolitik lehnte Nasser den Beitritt seines Landes zu einem von den USA geförderten Verteidigungsbündnis ab, das sich angesichts des Ost-West-Konflikts tendenziell vor allem gegen die UdSSR richtete. Gegenüber John Foster Dulles, dem damaligen Außenminister der USA, begründete Nasser diese Ablehnung: Nicht die Sowjetunion bedrohe sein Land, sondern die Briten seien seit 70 Jahren als Besatzer in Ägypten präsent. Wenn er einem Pakt beiträte, dem auch Großbritannien angehöre, werde er das Vertrauen seines Volkes verlieren. Ägypten bezog in der Folgezeit die Position der Nichtpaktgebundenheit (non-alignment). Eine von Nasser geleitete Delegation nahm im April 1955 an der afroasiatischen Konferenz in Bandung (Indonesien) teil und beteiligte sich an der Erarbeitung der Grundsätze der friedlichen Koexistenz. Weltweit Aufsehen erregte es, als Ägypten das faktische Waffenlieferungsmonopol der westlichen Staaten nach Nahost durchbrach und 1955 mit der Tschechoslowakei die Lieferung schwerer Waffen vor allem sowjetischer Produktion vereinbarte: Panzer, Geschütze und Flugzeuge.
 
 Der Algerienkrieg
 
Algerien war nach der Verfassung der Vierten Republik integraler Bestandteil des französischen Staates. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl der europäischen Siedler, es waren vor allem Franzosen, eine Million. Sie hatten sich den fruchtbaren Boden angeeignet und die algerischen Bauern und Viehzüchter in weniger fruchtbare Gebiete zurückgedrängt. Um die Algerier, 1954 waren es fast neun Millionen, in ihrer Identität zu treffen, unterdrückten die Franzosen den Islam und das Arabische. 90 Prozent der einheimischen Bevölkerung waren Analphabeten. Viele Algerier wanderten, da sie zu Hause ihre Existenzmöglichkeiten verloren, nach Frankreich aus; bis 1954 waren es 300000. In den sich nach dem Ersten Weltkrieg formierenden Befreiungsbewegungen waren Auseinandersetzungen um die Programmatik entbrannt. Sollten sich die Algerier, wie Reformisten vorschlugen, für Gleichberechtigung innerhalb eines französischen Staatswesens einsetzen? Oder sollten sie einen unabhängigen Staat erkämpfen? Patrioten artikulierten ihr wachsendes Selbstbewusstsein in der Losung: »Der Islam ist meine Religion, das Arabische meine Sprache und Algerien mein Vaterland«. Beflügelt von der französischen Niederlage in Indochina, nahmen sie, geführt von der Nationalen Befreiungsfront (Front de Libération Nationale, FLN), in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November 1954 den bewaffneten Kampf auf, der sich zu einem Befreiungskrieg ausweitete. Anders als die ägyptische Revolution verlangte er große Opfer. Der Nationalen Befreiungsarmee (Armée de Libération Nationale, ALN), die aus Partisaneneinheiten hervorging und deren Kern 1956 ungefähr 30000 Mann zählte, gehörten hauptsächlich arme Bauern und Landarbeiter an. Erst im Verlauf der Kämpfe bildete sich begrenzt eine zentral geleitete politisch-militärische Organisation der ALN heraus. Auf französischer Seite kämpften im Sommer 1956 360000 gut ausgerüstete Soldaten. Hinzu kamen etwa 200000 Mann Polizei, Milizen der Siedler und algerische Söldner. Obwohl mit einer solchen Übermacht konfrontiert, kontrollierte die ALN Anfang 1956 ein Drittel des ländlichen algerischen Raumes.
 
Nachdem im März 1956 Marokko und Tunesien, bis dahin gleichfalls von Frankreich abhängig, die staatliche Souveränität erlangt hatten, verbesserte sich die Situation der algerischen Befreiungsbewegung. Über Marokko und Tunesien erhielt die ALN nunmehr verstärkt Nachschub an Waffen und Munition; zudem richtete sie in beiden Staaten Ausbildungslager ein. Beide Seiten kämpften gnadenlos. Die Algerier mussten Niederlagen, etwa in der »Schlacht von Algier« (1956/57), und sehr hohe Verluste hinnehmen. Mit Terror suchten die Kriegsgegner einander zu demoralisieren. In Frankreich rief der Algerienkrieg eine Krise hervor. Nach vier Jahren waren 10000 Franzosen gefallen. Täglich verschlang er drei Milliarden »alte Francs«, bzw. 30 Millionen »neue Francs«. Immer mehr Bürger forderten »Frieden in Algerien«. Von der Kompromissbereitschaft der Regierung herausgefordert, ergriffen nationalistische Kräfte unter Führung der Generäle Jacques Massu und Raoul Salan mit der Parole »Algérie Française« am 13. Mai 1958 in Algerien die Macht. In dieser Krise trat General Charles de Gaulle, populär durch sein Engagement als politischer Kopf der Résistance im Zweiten Weltkrieg, an die Spitze Frankreichs. Er verschärfte zunächst den Krieg in Algerien; die Zahl der dort kämpfenden französischen Soldaten wuchs auf 800000 an. Fast zwei Millionen Algerier wurden aus ihren Dörfern vertrieben und in »Umgruppierungslager« eingewiesen. Doch der algerische Widerstand blieb ungebrochen. De Gaulle hatte sich zudem mit den Verfechtern des »Französischen Algerien« auseinander zu setzen, die sich mit der OAS eine eigene Organisation schufen; fast hätte der Präsident selbst zu den 12000 Menschen gehört, die ihr Opfer wurden. International nahm die Sorge, der Algerienkrieg könne ausufern, zu. 1960 bekräftigte die Generalversammlung der UNO das »Recht des algerischen Volkes auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit«. Die französische Regierung und die 1958 im Exil konstituierte »Provisorische Regierung der Algerischen Republik« nahmen schließlich Verhandlungen auf und unterzeichneten am 18. März 1962 das Abkommen von Évian-les-Bains, in dessen Rahmen Frankreich am 3. Juli 1962 die staaliche Souveränität Algeriens anerkannte.
 
 Der Suezkrieg 1956
 
Um dem Bevölkerungszuwachs Rechnung zu tragen, der zu dieser Zeit in Ägypten rund 300000 Menschen jährlich betrug, ersuchte die ägyptische Regierung — antikolonial, jedoch grundsätzlich nicht antiwestlich eingestellt — die westlichen Staaten um Hilfe beim Bau des geplanten Assuanhochdammes. Doch diese wollten Ägypten nach wie vor in ihrem Sinne beeinflussen und machten eine schon gegebene Zusage zur Teilfinanzierung des Assuanstaudammes rückgängig. Die Ägypter, so begründete John Foster Dulles die Entscheidung seiner Regierung, seien auf ein so aufwendiges Projekt nicht vorbereitet. Im Gegenzug entschloss sich Nasser, die Suezkanalgesellschaft, aus der 1955 über 32 Millionen Ägyptische Pfund in westliche Staaten geflossen waren, zu verstaatlichen; jetzt sollten durch den Zugriff auf die Kanaleinnahmen auch Mittel für den Assuanstaudamm aufgebracht werden. Seinen Entschluss gab Nasser in einer Rede bekannt, die er am 26. Juli 1956 in Alexandria vor einer Million Menschen hielt. Die Aktionäre und Inhaber der Gründeraktien sollten entschädigt werden, nachdem Ägypten das gesamte Besitztum der verstaatlichten Gesellschaft übernommen hatte. Noch während Nasser sprach, übernahmen Ägypter die Verwaltung des Kanals.
 
Westliche Staaten, vor allem Frankreich und Großbritannien, setzten Ägypten politisch unter Druck; sie beriefen drei internationale Konferenzen nach London ein, eine im August, eine im September, die dritte Anfang Oktober. Zugleich bereiteten sie eine Militäraktion vor. Den Franzosen ging es dabei, wie Anthony Nutting, damals Staatsminister im britischen Außenministerium, später rückschauend schrieb, »gar nicht so sehr um den Suezkanal, sondern in erster Linie um Algerien. Sie waren überzeugt, der algerische Widerstand werde zusammenbrechen, sobald Nasser vernichtet sei«. Die Londoner Konferenzen brachten nicht das erwünschte Ergebnis. Die Ägypter waren, ihr Recht auf den Kanal ins Feld führend, gar nicht erst erschienen; andere Länder, vornehmlich Indien und die Sowjetunion, vertraten ihre Belange. Daraufhin verständigten sich Frankreich, Großbritannien und Israel am 23. Oktober 1956 in Sèvres bei Paris auf ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen Ägypten. Israel, das ohnehin Angriffspläne hegte, sollte den Krieg auslösen. Dann würden sich unter dem Vorwand, die Schifffahrt auf dem Suezkanal vor dem Erliegen bewahren zu wollen, Frankreich und Großbritannien einschalten. Am 29. Oktober 1956 griff Israel Ägypten an, Frankreich und Großbritannien folgten zwei Tage später; die Angreifer besetzten fast die gesamte Sinaihalbinsel sowie Port Said. Die Ägypter fanden weltweit Beistand. Die beiden Supermächte wollten ihrerseits größeren Einfluss in Nahost gewinnen. Die sowjetische Regierung forderte die Angreifer auf, ihr Vorgehen zu beenden; sollten sie sich weigern, werde sie selbst Gewalt einsetzen, um den Frieden in Nahost wiederherzustellen. Die USA waren durchaus dafür, dass, wie Dulles formulierte, »Nasser wieder ausspucke, was er zu schlucken versucht«, doch hielten sie, wie Präsident Dwight D. Eisenhower in einer Rundfunkbotschaft erklärte, »die Anwendung von Gewalt nicht für klug und geeignet zur Lösung internationaler Konflikte«. Daraufhin zogen sich Frankreich, Großbritannien und Israel aus allen eroberten Gebieten zurück.
 
Für die Ägypter verwandelte sich die militärische Niederlage in einen politischen Sieg. Nassers Autorität wuchs sprunghaft; er stieg zum Helden der arabischen Welt auf. Die ägyptische Regierung setzte die als »Ägyptisierung« verstandene Schwächung des Auslandskapitals fort, die sie mit der Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft dramatisch eingeleitet hatte. Am 15. Januar 1957 schuf sie die Staatliche Wirtschaftsorganisation. Gleichzeitig verfügte sie, dass die ausländischen Banken, Versicherungsgesellschaften und Importagenturen vollständig in ägyptisches Eigentum zu überführen seien.
 
 Die Palästinenser
 
Die Palästinenser blieben im Unterschied zu den anderen arabischen Völkern ohne eigenen Staat. Ungefähr 750000 verließen im Ergebnis des ersten arabisch-israelischen Kriegs (1948/49) ihre Heimat; sie flohen vor der Gewalt der Israelis wie vor dem Schrecken, den diese verbreitete. Von dem Territorium, das ihnen die UNO 1947 zugesprochen hatte, blieb ihnen nichts; Israel erweiterte sein Staatsgebiet auf ihre Kosten um ein Drittel, Jordanien eignete sich das Westjordangebiet an, während Ägypten den Gazastreifen in Verwaltung nahm. Diese Niederlage grub sich tief ins Bewusstsein der Palästinenser ein. Im Zusammenhang mit dem Sechstagekrieg im Juni 1967, in dem die Israelis das Westjordangebiet, Ostjerusalem und den Gazastreifen besetzten, kam es erneut zu einer Fluchtwelle, die 250000 Palästinenser erfasste, darunter 100000, die schon einmal vertrieben worden waren. Israel leitete nun eine jüdische Besiedlung der besetzten Gebiete ein. Zu Beginn der Neunzigerjahre gab es im Westjordangebiet über 100 jüdisch-israelische Siedlungen mit ungefähr 130000 Siedlern, im Gazastreifen 16 Siedlungen mit 7000 Siedlern. Die Palästinenser, die nicht in Israel oder in den von Israel besetzten Gebieten lebten, führten fortan in arabischen Staaten, Europa und Amerika ein Diasporadasein. Soziale Strukturen und Gegensätze, die es zuvor bereits gegeben hatte, wirkten fort — und erfuhren erhebliche Modifizierungen. Armen Palästinensern, darunter Bauern, die ihren Boden verloren hatten, blieb das triste Leben in Lagern, unterstützt von einer Hilfs- und Arbeitsorganisation der UNO (UNRWA). Intellektuelle und andere Angehörige der Zwischenschichten fanden eher neue Existenzmöglichkeiten. Einige arabische Staaten stellten Hilfsgelder zur Verfügung; dadurch wollten sie einen Kontrahenten Israels stärken und die soziale Situation in der Region beruhigen. Einige Jahre waren die Palästinenser politisch gelähmt. In den Fünfzigerjahren formierte sich dann die Bewegung der Arabischen Nationalisten (BAN); ihr Ziel war die Einigung aller Araber und die radikale Erneuerung der arabischen Gesellschaft. Von diesem gesamtarabischen Ansatz ausgehend sollte die Befreiung Palästinas erfolgen: »Der Weg nach Tel Aviv führt über Damaskus, Bagdad, Amman und Kairo«. Die offiziell 1959 in Kuwait gegründete Fatah, deren Führung Jasir Mohammed Arafat übernahm, verstand sich als Repräsentantin aller Palästinenser, die sich, entgegen der Programmatik der BAN, selbst ihrer Sache annehmen sollten. Der Sechstagekrieg 1967 verstärkte unter Palästinensern Tendenzen, einander an Radikalität im Einsatz für die eigene nationale Sache zu übertreffen. Bleibende Bedeutung der in dieser Zeit aus der BAN hervorgegangenen palästinensischen Neugründungen erlangten die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) unter Leitung von Georges Habasch und die Demokratische Volksfront zur Befreiung Palästinas (PDFLP) mit Najif Hawatmeh an der Spitze.
 
Auf Anregung Nassers und Initiative der Arabischen Liga rief 1964 ein palästinensischer Nationalkongress die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO (Palestine Liberation Organization) ins Leben. Unter Ahmed Schukeiri, ihrem ersten Chef, propagierte die PLO extrem nationalistische Losungen. Nachdem die Fatah in ihr entscheidenden Einfluss gewonnen hatte, brachte sie unter Führung Arafats die palästinensischen Organisationen zu einer Nationalbewegung zusammen. 1964 gab sich die PLO in der »Nationalcharta« ein Programm, das sie 1968 revidierte und 1977 erneut bekräftigte. Sie knüpfte mit ihm an die einseitig-nationalistische Haltung an, die arabische Staaten in den Vierzigerjahren in der Palästinafrage eingenommen hatten. Ganz Palästina — in den Grenzen des britischen Mandats — galt demgemäß als Heimat der Palästinenser, seine Teilung mithin als unrechtmäßig; Israel sollte durch den bewaffneten Kampf beseitigt werden. In der Folgezeit hinderte sich die PLO mit dieser Zielsetzung selbst daran, das politisch Machbare in Angriff zu nehmen. Radikale Palästinenser griffen nach 1967 zu Terroraktionen, darunter zu spektakulären Flugzeugentführungen. Sie erregten weltweit Aufmerksamkeit, doch auch Abscheu und Empörung. Problematisch wiederum war, dass Israel die PLO insgesamt als Terrororganisation begriff, mit der man nicht verhandeln könne.
 
Kam die PLO ihrem Ziel näher? Arabische Staaten akzeptierten sie als Repräsentantin des arabischen Volkes von Palästina, in anderen Staaten errichtete sie Vertretungen. 1974 sprach Arafat vor der UNO. Je länger jedoch Israel palästinensische Gebiete besetzt hielt, desto größer wurde die Gefahr, dass daraus ein Dauerzustand wurde. In der PLO reifte, wenngleich zögerlich, galt es doch mit Tabus zu brechen, ein größerer Realismus. Die palästinensische Bevölkerung in den israelisch besetzten Gebieten mochte zudem zunehmend die Stagnation, die ihr Alltagsleben überschattete und die Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben verbaute, nicht länger hinnehmen. Im Dezember 1987 entlud sich ihr Unmut in der Intifada, der hauptsächlich von Jugendlichen getragenen »Rebellion der Steine«. In dieser Zeit formierte sich die Bewegung des Islamischen Widerstandes (Hamas), die zum djihad (heiliger Krieg) für ganz Palästina aufrief. Unter dem Eindruck der Intifada proklamierte der Palästinensische Nationalkongress am 15. November 1988 in Algier einen palästinensischen Staat. Zugleich erkannte er Israel an. Mit diesem weiteren Schritt demonstrierte die PLO ihre Bereitschaft zu größerem Realismus, was nicht wenig dazu beitrug, den Weg zur Madrider Konferenz und zu den in London und Oslo geführten Verhandlungen zu ebnen. Die in Oslo in Gang gekommene israelisch-palästinensische Verständigung wurde indes unter führenden Palästinensern kontrovers diskutiert.
 
 Libanon in der Zerreißprobe
 
Libanon war, als es zur Eigenstaatlichkeit gelangte, ein System der Konfessionsgruppen: 17 religiöse bzw. ethnische Gemeinschaften, die im Allgemeinen in angestammten Gebieten siedelten und teilweise Feudalclans darstellten, regelten in hohem Maße, obgleich es Parteien gab, das politische Leben; darunter waren maronitische Christen, Sunniten, Schiiten, Griechisch-Orthodoxe, Griechisch-Katholische, Drusen und Armenier. Das sich entwickelnde Bürgertum hatte innerhalb des konfessionalistisch-feudalistischen Systems einen Interessenausgleich gesucht: 1943 handelten der Maronit Bischara al-Churi und der Sunnit Raschid as-Sulh einen (nicht schriftlich fixierten) »Nationalpakt« aus: Libanon sollte zwar der arabischen Welt angehören, doch zugleich einen »besonderen Charakter« wahren und eigene kulturelle Beziehungen zum Abendland unterhalten. Die Parlamentssitze gingen im Verhältnis sechs zu fünf an Christen und Muslime. Den Präsidenten stellten, wie sich dies eingebürgert hatte, die Maroniten, den Ministerpräsidenten die Sunniten, den Parlamentspräsidenten die Schiiten. Drusen und nicht maronitische Christen waren von den höchsten Staatsämtern ausgeschlossen.
 
Der Nationalpakt sicherte Libanon eine gewisse Stabilität, doch sich verschärfende wirtschaftliche, soziale und politische Probleme untergruben zugleich seine Fundamente. So wuchs der Dienstleistungssektor — Banken, Verlagswesen und Tourismus spielten eine erstrangige Rolle — über Gebühr, während Landwirtschaft und Industrie weithin stagnierten. Eine tiefe Kluft trennte die Reichen — fünf Prozent der Bevölkerung beanspruchten 50 Prozent des Nationaleinkommens — von den Armen, zu denen die Hälfte der Libanesen zu rechnen war. Die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung veränderte sich und erhöhte die gesellschaftlichen Spannungen: Der christliche Anteil ging zurück, der muslimische wuchs, was den Konfessionsschlüssel, der dem Nationalpakt zugrunde lag, infrage stellte. Fasziniert von der ägyptischen Revolution, forderten oppositionelle Libanesen eine Reform des einheimischen politischen Systems. 1958 mündeten die Auseinandersetzungen in einen Bürgerkrieg: Präsident Camille Nimer Chamoun, ab 1952 im Amt und prowestlich, geriet in die Defensive und ersuchte die USA, militärisch zu intervenieren, um — wie er es sah — die Souveränität des Landes zu schützen. Er zog damit den Libanon in die Auseinandersetzungen des Kalten Kriegs hinein. Am 15. Juli 1958 landeten schwer bewaffnete amerikanische Streitkräfte in Libanon, am 17. Juli britische Fallschirmjäger in Jordanien, wo König Husain II. einen Umsturz befürchtete. Chamoun hatte sich indes mit seinem Hilfeersuchen an die USA innenpolitisch diskreditiert und musste sein Amt an Fuad Schihab abtreten, der zuvor Oberkommandierender der Armee gewesen war und sich geweigert hatte, seine Truppen gegen die Opposition einzusetzen. Nach 169 Tagen ging der Bürgerkrieg zu Ende; fast 4000 Libanesen hatten in ihm den Tod gefunden. Die amerikanischen Truppen verließen bis zum 27. Oktober das Land.
 
Infolge des jordanischen Bürgerkriegs 1970 kamen viele Palästinenser als neue politische Kraft nach Libanon; es waren schließlich 380000. Das Land sah sich dadurch unmittelbar mit dem Nahostkonflikt konfrontiert. Die Schiiten, chronisch unterprivilegiert, begannen sich als eigenständige politische Kraft zu konstituieren. Imam Musa Sadr, ein Vertrauter des iranischen Revolutionsführers Ruhollah Mussawi Hendi Khomeini, trat an ihre Spitze und schuf 1971 die »Bewegung der Besitzlosen«, aus der 1974 die »Bewegung der Hoffnung« (harakat amal, Kurzform: Amal) hervorging. In den innenpolitischen Auseinandersetzungen stieg die Zahl der Milizen von zunächst zwei (der Maroniten und Drusen) auf 15 mit insgesamt 150000 Mann. Mitte April 1975 flammte erneut ein Bürgerkrieg auf und zog den Libanon endgültig in das Zentrum des Nahostkonfliktes. Die politische Rechte wollte den gesellschaftlichen Status quo verteidigen. Ihre Hauptkräfte waren die Phalange (al-kataib), die Nationalliberale Partei, die Anhänger des seit 1970 amtierenden Präsidenten Suleiman Frangié und der höhere maronitische Klerus. Die Linke, die den Konfessionalismus infrage stellte, vereinte zeitweise über 50 Organisationen: unter anderem die Sozialistische Fortschrittspartei mit Kamal Djumblat, dem Repräsentanten der Drusen, an der Spitze, die Kommunisten, die Nasseristen und die Schiiten.
 
In der ersten Kriegsphase standen vor allem die Phalange und die palästinensische Bewegung einander gegenüber. Dann, nach einer zweimonatigen Pause, traten innerlibanesische Auseinandersetzungen in den Vordergrund. Syrien schaltete sich militärisch in den Bürgerkrieg ein. Die Konfliktparteien waren im Begriff, das Land unter sich aufzuteilen. Die Syrer, die das Hauptkontingent einer panarabischen Friedenstruppe stellten, hielten Ende 1976 die Hälfte Libanons — den Norden und Osten sowie die Beka-Ebene — besetzt. Ein Viertel des Landes, ein sich von Beirut bis Tripolis zwischen der Küste und dem Kamm des Libanongebirges hinziehender Streifen, befand sich in den Händen der Rechtsmilizen. Die libanesische Linke und Palästinenser kontrollierten das restliche Viertel — den Süden und das Küstengebiet bis nach Beirut. Eine »grüne Linie« teilte die Hauptstadt: Die Phalangisten beherrschten den Ost-, die libanesisch-palästinensische Allianz den Westteil. Der Libanon, aufgrund seiner heterogenen Traditionsstränge ohnehin zerbrechlich, drohte auseinander zu brechen. Und er blieb ein Unruheherd: Clans befehdeten einander — auch innerhalb des christlichen Lagers —, um die Vorherrschaft zu erlangen. Unter den Schiiten setzten sich ihre Politisierung und Radikalisierung fort. Unter dem Einfluss der »islamischen Revolution« im Iran formierte sich, radikaler als Amal, Hizbollah. Die Israelis nutzten die Ohnmacht des Landes und stießen 1978 bis zum Litani-Fluss, 1982 bis nach Beirut vor. Durch eine Belagerung Westbeiruts, wo sich 80000 Menschen befanden, zwangen sie die PLO zum Abzug, die daraufhin ihr Hauptquartier nach Tunis verlegte. Nach einer im August 1987 veröffentlichten Statistik waren in dem inzwischen zwölf Jahre währenden Bürgerkrieg 130000 Menschen getötet worden. Jetzt setzte auch ein dramatischer Währungsverfall ein. Die Regierung war kaum noch arbeitsfähig; Feudalclans hatten Teile ihrer Funktionen und Einnahmen übernommen. 1988 amtierten, da sich kein neuer Präsident gefunden hatte, gar zwei Regierungen, eine von einem Muslim geführte in West-, die andere mit einem Christen an der Spitze in Ostbeirut.
 
Im Herbst 1989 trafen sich libanesische Parlamentsabgeordnete in der saudi-arabischen Stadt Taif. Sie handelten einen Kompromiss aus, der Libanon einen Neubeginn ermöglichen sollte. Perspektivisch sollte der Konfessionalismus abgeschafft werden. Die Parlamentssitze sollten nunmehr paritätisch zwischen Christen und Muslimen aufgeteilt werden. Der Staatspräsident verlor Machtbefugnisse zugunsten des Minister- und des Parlamentspräsidenten sowie des Kabinetts. Die Milizen widersetzten sich zunächst dem Abkommen von Taif. Die Syrer beendeten indessen 1990 mit einer Militärintervention den Bürgerkrieg auf dem größten Teil des libanesischen Territoriums; die Milizen mussten ihre schweren Waffen abgeben. Nach Parlamentswahlen wurde am 22. Oktober 1992 Rafiq al-Hariri neuer Ministerpräsident, der dieses Amt nach den Wahlen von 1996, aus denen seine Anhänger als Sieger hervorgingen, behielt. Der neuen Regierung gelang es, den Staat zu stabilisieren, wenngleich Fragen, die syrische Interessen berührten — im Abkommen von Taif wurde eine »besondere Beziehung« zwischen Libanon und Syrien fixiert —, weiterhin Präsident Hafis al-Assad entschied.
 
 
Beginnend im 19. Jahrhundert, hatten ägyptische und syrisch-libanesische Intellektuelle, darunter Nichtmuslime, mit dem Panarabismus eine gesamtarabische Nation proklamiert. In Besinnung auf Gemeinsamkeiten in Sprache und Tradition, sollten die Araber nicht nur Fremdherrschaft widerstehen, sondern auch ihre Gesellschaften erneuern. Nahezu alle Staaten kennzeichneten sich in ihren Verfassungen als »arabisch« oder als »Teil der arabischen Nation«. Die BAN, die Baath-Partei, Gamal Abd el-Nasser und Moamar al-Gaddhafi machten sich den Panarabismus zu eigen. Stärker noch als die jeweiligen Eliten waren große Teile der Bevölkerung davon überzeugt, einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft anzugehören. Das Arabisch-Islamische war aber für einige Staaten nur ein Traditionsstrang. Die Ägypter blickten auf die Pharaonenzeit zurück. Auch Libanon hatte eine mehrtausendjährige Geschichte vor seiner Arabisierung; auf sie, speziell auf die Phöniker, beriefen sich die Phalangisten, die dem Panarabismus mit der Losung »Libanon zuerst!« einen christlich-libanesischen Nationalismus entgegenstellten. Zudem hatten die Araber in vorgegebenen Grenzen, die teils historisch gewachsen (Ägypten), teils von Kolonialmächten gezogen worden waren (Irak), um Eigenstaatlichkeit gekämpft und sie erlangt. Ihre Identität war so von vornherein mehrschichtig, auch spannungsgeladen.
 
Im Herbst 1944 sprachen sich arabische Staatschefs in Alexandria für eine vertragliche Kooperation aus. Eine gesamtarabische Einigung auf staatlicher Ebene hatten sie dabei nicht ins Auge gefasst, vielmehr sollten unabhängige Staaten die Grundstruktur ihres Zusammenschlusses bilden. Die am 22. März 1945 in Kairo gegründete Arabische Liga erhob die Achtung der Unabhängigkeit und Souveränität ihrer Mitglieder, die Nichteinmischung, das Gewaltverbot und die friedliche Streitbeilegung zu Grundprinzipien ihres Wirkens. Eine gemeinsame Politik wollte sie nicht betreiben, vielmehr politische Aktivitäten koordinieren. Die arabischen Staaten sahen sich einem übergeordneten Bezugsrahmen nur dann und nur insoweit verpflichtet, als eigene machtpolitische Ziele das angeraten sein ließen. Am krassesten zeigte sich das in ihrer Haltung zur Palästinafrage: Sie solidarisierten sich stets mit den Palästinensern, um diese ebenso regelmäßig in kritischen Situationen allein zu lassen. Schon im ersten arabisch-israelischen Krieg (1948/49) fochten sie vornehmlich Eigeninteressen gegeneinander aus; besonders Ägypten und Transjordanien beäugten einander misstrauisch, um bei der zu erwartenden Teilung Palästinas dem anderen keine Vorteile zukommen zu lassen. 1970 standen in Jordanien Palästinenser, die diese Situation allerdings durch Eigenmächtigkeiten provoziert hatten, allein den Truppen des Königs gegenüber und erlitten im September 1970 eine schwere Niederlage; 20000 fanden den Tod. Nasser vermittelte damals. Unter dem Namen »Schwarzer September« führten radikale Palästinenser Terroraktionen durch, unter anderem bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Die Suspendierung der ägyptischen Mitgliedschaft in den Jahren 1979 bis 1990 — eine Reaktion auf die Anerkennung Israels — hatte fatale Auswirkungen: Die Arabische Liga büßte erheblich an Autorität ein.
 
Auf Initiative der syrischen Baath-Partei schlossen sich am 1. Februar 1958 Ägypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen. Drei Wochen später wählten die Bürger des Einheitsstaates Nasser zu ihrem Präsidenten. Die Ägypter, wirtschaftlich stärker, hatten das Sagen in dem neuen Staat. Die syrischen Baathisten, die ihre Erwartungen nicht erfüllt sahen, zogen sich bald aus der Regierungsverantwortung zurück. Kräfte des syrischen Ancien Régime rissen in Syrien mithilfe der Armee die Macht an sich und lösten am 28. September 1962 ihre Region aus der VAR heraus. Nasser nahm das hin, da die VAR ohnehin nicht seine Idee gewesen war. Den Namen VAR behielt Ägypten noch bis 1971 als Staatsbezeichnung bei. Ab März 1963 fanden in Kairo Verhandlungen zwischen Irak, Syrien und Ägypten statt, um eine Union in größerem Rahmen zu schaffen. Die Verhandlungspartner einigten sich zwar am 17. März, Rivalitäten ließen die Einigung im »Arabischen Kalten Krieg« jedoch scheitern.
 
Parallel zu diesen panarabischen Turbulenzen verstärkten sich Rivalitäten auch andernorts in der arabischen Welt. Im September 1962 stürzten Offiziere im Nordjemen den König und proklamierten die Arabische Republik Jemen. Ägypten kam den jemenitischen Republikanern mit Truppen zu Hilfe, die zeitweilig eine Stärke von 70000 Mann erreichten. Dadurch verschlechterte sich sein Verhältnis zu Saudi-Arabien, das seinerseits die Royalisten unterstützte. Nach dem Sechstagekrieg 1967 engagierte sich Saudi-Arabien erneut — entgegen den Tendenzen des Panarabismus nasseristischer und baathistischer Prägung — für eine stärkere islamische Einbindung arabischer Staaten. Es gewann eine führende Rolle in der Organisation der Islamischen Konferenz, die sich zwischen 1969 und 1972 formierte und die die Arabische Liga tendenziell in den Hintergrund drängte.
 
1971 bildeten Ägypten, Libyen und Syrien die Föderation Arabischer Republiken. 1984 hoben Marokko und Libyen die Arabisch-Afrikanische Union aus der Taufe. Das blieben mehr oder weniger Episoden. Erfolgreicher, weil aus pragmatischen Erwägungen geboren, gestaltete sich die subregionale Kooperation. Am 4. Februar 1981 gründeten die Staaten der Arabischen Halbinsel, ausgenommen die beiden Jemen, den Golfrat (Gulf Cooperation Council). Sie wollten auf der Grundlage einer ökonomischen Integration (gemeinsamer Golfmarkt) wirtschaftlich enger zusammenarbeiten, ferner ihre Außen-, Sicherheits- und Erdölpolitik koordinieren. Im Februar 1989 schlossen sich Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien zur Union des Arabischen Maghreb (Union Maghrébine Arabe) zusammen. Im gleichen Monat formierte sich der Arabische Kooperationsrat (Arab Cooperation Council). Seine Mitglieder — Ägypten, Irak und Jordanien — waren im 1. Golfkrieg einander näher gekommen und wollten jetzt ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit intensivieren.
 
Prof. Dr. Martin Robbe
 
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Erdöl: Das »Ölzeitalter« im Nahen und Mittleren Osten
 
 
Ansari, Hamied: Egypt, the stalled society. Albany, N. Y., 1986.
 Barth, Hans Karl / Schliephake, Konrad: Saudi-Arabien. Mit einem Anhang Fakten - Zahlen - Übersichten. Gotha u. a. 1998.
 Corm, George: Europa und der Nahe Osten. Aus dem Französischen. Unkel u. a. 1997.
 Elsenhans, Hartmut: Frankreichs Algerienkrieg 1954-1962. Entkolonisierungsversuch einer kapitalistischen Metropole. Zum Zusammenbruch der Kolonialreiche. München 1974.
 
Frieden im Nahen Osten? Chancen, Gefahren, Perspektiven. Beiträge und Dokumente aus Europa-Archiv und Internationale Politik, herausgegeven von Angelika Volle und Werner Weidenfeld. Bonn 1997.
 
Geschichte der arabischen Welt, herausgegeben von Ulrich Haarmann. München 31994.
 Hanf, Theodor: Koexistenz im Krieg. Staatszerfall und Entstehen einer Nation im Libanon. Baden-Baden 1990.
 Hourani, Albert Habib: Die Geschichte der arabischen Völker. Aus dem Englischen. Sonderausgabe Frankfurt am Main 1997.
 
The Israel-Palestine question, herausgegeben von Ilan Papp. London u. a. 1999.
 Kocher, Victor: Der neue Nahe Osten. Die arabische Welt im Friedensprozess. Zürich 1996.
 
The Middle East and North Africa. A survey and directory, Band 45: 1999. London 1998.
 Müller, Joachim: Islamischer Weg und islamistische Sackgasse. Die Debatte um Islam, islamische Wirtschaft und moderne Gesellschaft in Ägypten. Münster u. a. 1996.
 
Nahost. Jahrbuch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten, herausgegeben vom Deutschen Orient-Institut. Band 11: 1997. Opladen 1998.
 Said, Edward W.: Frieden in Nahost? Essays über Israel und Palästina. Aus dem Amerikanischen. Heidelberg 1997.
 Schreiber, Friedrich / Wolffsohn, Michael: Nahost. Geschichte und Struktur des Konflikts. Opladen 41996.
 Wallach, Janet / Wallach, John: Jassir Arafat. Der lange Weg zur Versöhnung. Die Biographie. Aus dem Amerikanischen. München 1994.
 Winter, Heinz-Dieter: Der Nahe und Mittlere Osten am Ende des Ost-West-Konflikts. Politische und ideologische Orientierungen der Region zwischen Maghreb und Golf. Berlin 1998.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Naher Osten — Nahost; Morgenland * * * Naher Ọsten,   Nah|ọst, Vorderer Ori|ent, politisch geographische Sammelbezeichnung für die (außereuropäischen) Länder am östlichen Mittelmeer. Im Einzelnen schwankt die Abgrenzung (besonders zwischen deutschem sowie… …   Universal-Lexikon

  • Erdöl: Das »Ölzeitalter« im Nahen und Mittleren Osten —   In dem Maße, in dem die arabische Welt ab dem 18. Jahrhundert in den Einflussbereich des kapitalistischen Wirtschaftssystems geriet, unterlagen diese Länder einem internationalen Reproduktionszyklus, der den Bedürfnissen der Kolonialmetropolen… …   Universal-Lexikon

  • Ägypten — Ägỵp|ten; s: arabischer Staat in Nordostafrika. * * * Ägỵpten,     Kurzinformation:   Fläche: 1 001 449 km2   Einwohner: (2000) 68,4 Mio.   Hauptstadt: Kairo   Amtssprache: Arabisch   Nationalfeiertage: 23 …   Universal-Lexikon

  • Algerien — Al|ge|ri|en; s: Staat in Nordafrika. Dazu: Al|ge|ri|er, der; s, ; Al|ge|ri|e|rin, die; , nen; al|ge|risch <Adj.>. * * * Algeri|en,     …   Universal-Lexikon

  • Libanon — Zedernrepublik * * * 1Li|ba|non; s, (auch:) der; [s]: Staat im Vorderen Orient. 2Li|ba|non, der; [s]: Gebirge im Vorderen Orient. * * * Libanon,     Kurzinformation:   …   Universal-Lexikon

  • panarabische Bewegung — pan|arabische Bewegung,   Pan|arabịsmus, politische Bemühungen im arabischen Raum, die arabischen Staaten und ihre Bevölkerung auf der Grundlage eines gemeinsamen, historisch, sprachlich und kulturell begründeten Bekenntnisses zur »Arabischen… …   Universal-Lexikon

  • Suezkrise — Suezkrise,   Sueskrise, internationaler Konflikt, ausgelöst im Juli 1956 durch die Verstaatlichung des Suezkanals seitens der ägyptischen Regierung unter Präs. G. Abd el Nasser. Die Suezkrise führte zum Suezkrieg (auch »Sinaifeldzug« genannt;… …   Universal-Lexikon

  • Deutsche Demokratische Republik — Deutsche Demokratische Republik …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte Nordafrikas — Das nördliche oder saharische Afrika, das geographisch als der Bereich zwischen dem 19. und 38. Breitengrad und dem 13. Grad westlicher und 25. Grad östlicher Länge definiert ist (nach Encyclopedia Britannica), unterscheidet sich in… …   Deutsch Wikipedia